18. Spielzeit 2006/2007

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Rekordzahl von 3.702 zahlenden Zuschauern erreicht

Der GeizigeDie 18. Spielzeit des Statt-Theater Vegesack begann im September 2006 mit einer Lesung im Kito. Das Statt-Theater Vegesack präsentierte dort den Autor und ehemaligen Fährmann der Fährstelle Lemwerder-Vegesack Norbert Bogdon, der in den neunziger Jahren durch Film- und Theaterprojekte, Artikel sowie Texte und Bücher vielen Bremen-Nordern ein Begriff war. Vier Darsteller des Statt-Theater Vegesack lasen an diesem Abend Texte und Kurzgeschichten aus seinem Erstlingswerk "Wurstwaren werden auch immer teurer". Norbert Bogdon, mittlerweile in Hamburg lebend und Redakteur eines der auflagenstärksten Boulevardmagazine Deutschlands, war anwesend und stand Rede und Antwort zu diesen frechen, absurden und anarchischen Minidramen. 32 Zuschauer besuchten diese kleine, aber feine Abendveranstaltung.

Am 2. November 2006 fand dann im kleinen Saal des Bürgerhauses die Premiere des Stückes 'Der Geizige' von Molière statt. In dem Stück geht es um den geizigen Harpagon, der seine Tochter Elise zu einer Geldheirat mit dem reichen Witwer Anselme zwingen will. Ihr Vater weiß aber nicht, dass Elise Valére liebt, den Vertrauten ihres Vaters. Harpagon merkt auch nicht, dass er sich seinen Sohn Cléante zum Feind macht als dieser erfährt, dass sein Vater ausgerechnet Cléantes Geliebte Mariane heiraten will. Diese wurde Harpagon von der zwielichtigen Heiratsvermittlerin Frosine versprochen. Mit Hilfe der von Harpagons ständig unterbezahlten und deshalb aufmüpfigen Dienerschaft gelingt es Cléante, als Druckmittel Harpagons Geldschatulle zu stehlen. Damit eskalieren die Streitereien und Verwirrungen im Hause des Geizigen erst recht. Regie führte in dieser gelungenen Produktion Barbara Begerow, die bereits Molières 'Der eingebildete Kranke' im Statt-Theater Vegesack inszenierte. 796 Zuschauer sahen die von der Presse gefeierte Inszenierung.

Der kleine MuckNoch im selben Monat startete am 30. November 2006 das Statt-Theater Vegesack die Aufführungen des Weihnachtsstückes, das zauberhafte, orientalische Märchen 'Der kleine Muck' von Wilhelm Hauff. Es handelt vom Pechvogel Muck dessen Eltern beide gestorben sind, der die viel zu großen Schuhe seines Vaters tragen muss und deshalb von den Bewohnern der Stadt immerzu ausgelacht und geärgert wird. Ein bisschen traurig aber mutig beschließt er die Stadt zu verlassen. In einem Zauberwald trifft er auf einen ebenso traurigen Schmetterling dessen Sprache er verstehen kann. Gemeinsam müssen die beiden die böse Hexe Ahavazi überlisten und noch weitere Abenteuer bestehen. Ihr Regiedebüt gaben dabei erfolgreich Imke Wellmann und Rolan Khayyat, der sich zuvor für viele gelungene Bühnenbilder des Statt-Theater Vegesack verantwortlich zeigte. 1.833 Kinder und Erwachsene kamen zu den zum großen Teil ausverkauften Vorstellungen.
Im März 2007 wurde dann im Kuba "Der Tod und das Mädchen" von Ariel Dorfman aufgeführt. Der Psychothriller spielt nach der Diktatur Augusto Pinochets in Chile. Paulina ist entsetzt als ihr Mann, Vorsitzender eines Komitees für Menschenrechte, nach einer nächtlichen Autopanne den Arzt Dr. Miranda nach Hause bringt. Paulina, die als frühere Widerstandskämpferin im Militärgefängnis grausam gefoltert und vergewaltigt wurde, glaubt in Dr. Miranda ihren ehemaligen Peiniger wieder zu erkennen. Wild entschlossen ihm dieses Geständnis zu entlocken bedroht sie ihn mit vorgehaltener Waffe, sie fesselt ihn und beginnt mit einem nächtlichen, demütigenden Prozess. Regie führte Matthias Sabelhaus, derzeitig 1. Vorsitzender des Statt-Theater Vegesack, der bereits im Jahr 2004 'Geschlossene Gesellschaft' von Sartre im Kuba inszenierte. 424 Zuschauer sahen den packenden Psychothriller 'Der Tod und das Mädchen'.
Der Tod und das MädchenIm April 2007 präsentierte das Statt-Theater Vegesack den aus Bremen stammenden Autoren Christian von Aster - Gewinner des CABINET PREISES 2006 in der Sparte Kabarett. Als Cascadeur du Mot, Genre-Grenzen-Saboteur und Hirnmodel für Übergrößen hat sich der vielseitige Autor in der deutschen Phantastikszene bereits einen Namen gemacht. Er hat verschiedene Literatur- und Filmwettbewerbe gewonnen und bietet regelmäßig Shows und Lesungen in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland. 30 Zuschauer sahen Christian von Aster im Kito mit seiner unverwechselbaren Bühnenpräsenz.
Im Mai 2007 führte dann das Nachwuchsensemble "Cheek to Cheek" im Kulturbahnhof auf. Die Leistungen der teilweise völlig bühnenunerfahrenen Nachwuchsdarsteller waren beachtlich. "Profis hätten es kaum besser machen können" titelte die Norddeutsche.
In der Tragikomödie des schwedischen Autors Jonas Gardell aus dem Jahr 1991 geht es um die Begegnung des Travestiekünstlers Ragnar mit der Leichenbestatterin Margareta. Ragnar Rönn ist seit über zehn Jahren als Travestiekünstler im Geschäft. Obwohl seine Karriere nicht mehr besonders gut läuft, erkennen ihn immer noch die Leute auf der Straße und erinnern sich an seinen Durchbruch im landesweiten Fernsehen. Durch eine Kontaktanzeige lernt er Margareta kennen. Anfangs gelangweilt von der Tristesse in Margaretas Leben, angeekelt von der Realität ihres Berufes, entwickelt Ragnar eine Faszination für die Dramatik und die Wirkung des Todes auf die Menschen. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen den beiden.
Cheek to CheekUlrich Hatscher und Kai Howald leiteten dieses Nachwuchsensemble und führten bei dieser Produktion Regie. 587 Zuschauer kamen zu den Aufführungen.
Dem Statt-Theater Vegesack gelang es mit dieser 18. Spielzeit ein abwechslungsreiches und auch künstlerisch vielfältiges Programm auf die Beine zu stellen. Der Zuschauerzuspruch stieg um annähernd 900 zahlende Zuschauer.